Die „Große Arbeit“

Es herrschte enorme Aufregung unter den zehn Jugendlichen. Sie haben sich ein Jahr lang vorbereitet und sich einer der aufregendsten Herausforderungen der 8. Jahrgangsstufe gestellt. Nun, am 22. und 23.10.2020, hatte die Spannung den Höhepunkt erreicht: Die Schülerinnen und Schüler der Montessorischule Aschaffenburg stellen ihre „Große Arbeit“ dem Publikum vor. Die Präsentation konnte in diesem Jahr nicht ganz so viele Augen erfreuen. Aber ein gut durchdachtes Hygienekonzept ermöglichte es wenigstens den wichtigsten Personen im Umkreis der Schülerinnen und Schüler deren Ausführungen zu folgen.

Maria Montessori hatte stets auf die Kraft des Kindes vertraut. Auf den Willen „groß“ zu werden und dies mit eigenem, innerem Antrieb zu schaffen. Die Pädagogen haben die Aufgabe das Kind zu beobachten, zu begleiten und zu unterstützen um mit eigenem Engagement der Schülerinnen und Schüler in die Welt der Erwachsenen hineinzuwachsen, um selbstbewusste, gestärkte, leistungsfähige und empathische Erwachsene zu werden. So ist auch die hintergründige Idee der „Großen Arbeit“. Sie stellt eine Gelegenheit für alle Schüler dar, zu zeigen, dass hier nicht mehr „nur“ ein Kind tätig ist.

Die „Große Arbeit“ besteht aus einem praktischen Teil und der dazugehörigen theoretischen Auseinandersetzung. Ein genauer, durch Kern-Zieldaten eingerahmter und von den Schülern selbst erstellter Zeitplan geleitet die Jugendlichen durch ihr Projekt. Die Themenfindung ist wohl der kniffligste aller Punkte. Dies kann sich um ein greifbares, brauchbares, anschaubares oder erlebbares Ergebnis handeln. Im theoretischen Teil sollten nebst Material- und Werkzeugkunde auch Informationen über berufliche Möglichkeiten in diesem Bereich eruiert werden. Auch der Kostenpunkt und die Kalkulation wird nicht außer Acht gelassen.

In diesem Jahr präsentierten die Schülerinnen und Schüler, auf zwei Abendveranstaltungen verteilt, folgende Themen:

Der erste Abend hatte für die Ohren und Augen der Besucher so einiges zu bieten. Eine Schülerin hatte nach einem Thema aus der Mitte ihres Alltags gegriffen und mit einem modernen Format verbunden. Sie produzierte einen Podcast über Maria Montessori.

Eine weitere Schülerin nahm ihre Zuschauer mit ins Wunderland. Sie hatte, mit Unterstützung ihrer Mentorin 3 Bühnenbilder zum Kinderbuchklassiker „Alice im Wunderland“ hergestellt.

Klangvoll wurde es bei der musikalischen Schülerin, die sich dem Songwriting und der Aufnahme ihrer Songs gewidmet hatte. Herr Stengel, der Musiklehrer der Montessorischule, durfte hier, wie auch schon beim erwähnten Podcast, als Mentor wirken.

Als richtige Tierliebhaberin entpuppte sich die Schülerin, die sich dafür entschieden hatte, eine Hundehütte für ihren Hund „Sammy“ zu bauen. Sie berichtete über die Geschichte der ersten Hundehütte und demonstrierte ihr robustes Haus im Anschluss.

Richtig technisch wurde es bei einer Schülerin, die einen antiken Nähmaschinentisch umbaute und daraus einen Microcontroller gesteuerten LED-Leuchttisch erstellte. Wie eine Lichtorgel lässt dieser sich aktivieren und deaktivieren. Die bunten Lichter, die mit einem Lautsprecher verknüpft sind, werden mit Sicherheit noch so manchen Jugendraum in Stimmung bringen.

Ein Schüler durfte den zweiten Vorstellungstag mit seinem Projekt „Dekoschilder mit Sprüchen“ eröffnen. Von seinem Mentor, einem Schreiner, durfte er viel lernen und präsentierte eine bunte Vielfalt an Schildern, die das eigene Heim dekorativ schmücken.

Flink wie ihr Langbogen selbst, stellte eine weitere Schülerin ihren historischen Bogen vor, den sie aus einem selbst gefällten Haselnussbaum angefertigt hatte. An ihrem Stand konnte man dann auch noch die professionelle Anfertigung der Pfeile bestaunen.

Glamourös wurde es bei der Schülerin mit der flinken Nadel. Ein Abendkleid, wie es sich nur Aschenbrödel selbst hätte erträumen können, wurde von ihr vorgestellt. Bis ins Detail, also den passenden Schuhen und stilvollen Handschuhen wurden die Zuschauer verzaubert.

Ein weiterer Schüler wusste genau wie man sportlichen Ehrgeiz und die Lust auf Süßes verbinden konnte. Er baute eine Schokokuss-Wurfmaschine. Die Kunst mit einem Ball den Auslöser der Wurfmaschine zu treffen und dann den Schokokuss zu fangen traf auf große Begeisterung und Experimentierfreude bei den Besuchern. Besonders toll ist auch das „kleine“ Detail, dass die bereitgestellte Spardose (pro Wurf eine Spende) für die Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg e.V. gedacht ist.

Spacig wurde es bei dem Schüler, der den Abschluss des zweiten Vortragstages machte. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht drei Star Wars Hörbücher zu erstellen. Ausführlich berichtete er über die Erstellung und Bearbeitung seiner Hörbücher, die man im Übrigen über eine Mail-Anfrage bei Moritz als Hör-Kostprobe zugeschickt bekommt.

Die Schüler und Schülerinnen hatten durchweg bestätigt, dass sie mit dem Projekt der Großen Arbeit sehr gewachsen sind und es ihnen zwar Mühe und Fleiß abverlangte, aber auch sehr viel davon profitiert haben: Sie haben neue Fähigkeiten an sich entdeckt und gefestigt. Auch toll empfanden sie die Zusammenarbeit mit den Mentoren. Vielleicht entdeckte die eine oder der andere sogar den späteren Berufswunsch.

Mit einem Augenzwinkern gestanden die Schülerinnen und Schüler ein, dass lediglich die zahlreichen Tagesberichte und die Dokumentation der Arbeiten und die minutiöse Nachbereitung eher ermüdend und nicht so spannend waren.

Vielen Dank ihr Lieben! Ihr habt uns mit Euren Ideen verwöhnt und wart in diesem Jahr besonders viel Nervenkitzel ausgesetzt! Toll, wie ihr alles gemeistert habt!!!

 

 

 

 

Zwischen Leberkäse und Dampfdreirad – Präsentation der Großen Arbeit

25. Oktober 2016 – Ein Jahr lang wurde konzipiert, gehämmert, geschraubt, gesägt, genäht, gelötet, getextet und noch vieles mehr. Dann war es vollbracht. Insgesamt elf Schülerinnen und Schüler der Privaten Montessorischule Soden konnten jetzt am Dienstagabend ihre Große Arbeit vorstellen.

dsc_9582Die Große Arbeit ist eine Projektarbeit, die an allen Montessorischulen in der achten Jahrgangsstufe angefertigt wird. Sie ist originärer Bestandteil des pädagogischen Konzepts von Maria Montessori. Ziel ist es, eigenständig ein Projekt zu planen, sich selbstständig einen Mentor zur Unterstützung zu suchen und die Arbeit durchzuführen. Der gesamte Projektablauf wird dann in einer Mappe dokumentiert. Hier wird auch über besondere Erfahrungen und Erkenntnisse berichtet und eine umfassende Kostenkalkulation, in der auch der eigene Arbeitslohn berücksichtigt wird, beigefügt.

Die Präsentation der Großen Arbeit fand im vollbesetzten Bürgerhaus Soden statt. Rund 140 Eltern, Freunde, Mentoren und Mitschüler hatten sich versammelt um die unterschiedlichen Projekte künstlerischer, handwerklicher und technischer Natur kennenzulernen.

„Mit der Großen Arbeit fahren unsere Schülerinnen und Schüler die erste Ernte ein“, erläuterte Schulleiterin Regine Hadaschik in ihrer Eröffnungsansprache und spannte damit direkt den Bogen zum ersten Projekt des Abends, einem Kornspeicher aus Fichtenholz.

dsc_9603Ebenfalls aus diesem Bereich kamen eine Designer-Lampe aus Buchenholz, eine edle Holztruhe mit gewölbtem Deckel sowie ein Insektenhotel mit insgesamt 13 „Zimmern“. Mit dem Thema Schneiderei befasste sich eine Schülerin, die gerne reitet. Sie hatte eine Schabracke entworfen und angefertigt. Diese Decke dient als Schutz für den Pferderücken und wird unter den Sattel gelegt. Viel getüftelt, hatte ein Schüler, der ein komplettes Mountainbike gebaut hatte. Mit Materialien von mehr als eintausend Euro, lag sein Kostenplan am oberen Ende.

Mit einem sehr viel geringeren Budget kam seine Klassenkameradin aus, die zwei Klavierstücke aus dem „Album für die Jugend“ von Robert Schumann einstudiert hatte. Ebenfalls kostengünstig konnte ein Schüler sein Projekt „Ratgeber für Motorboote und kleine Yachten“ umsetzen.

dsc_9604Technisch wurde es dann mit der Präsentation eines Dampfdreirads, das sich mithilfe einer selbst konstruierten Dampfmaschine fortbewegt. Hier lernte der Schüler während der Großen Arbeit nicht nur die Theorie des Dampfantriebs kennen sondern konnte auch neue Fähigkeiten wie löten und fräsen erlernen. Traditionell handwerklich ging es auch beim Vergleich „Metzgerei versus Discounter“ zu. Dabei hatte die Schülerin Leberkäse mit Unterstützung eines Metzgermeisters selbst hergestellt und bot diesen, charmant im Dirndl gewandet, direkt zur Verkostung an. Das Kontrastprogramm dazu bot das moderne Upcycling-Projekt der letzten großen Arbeit des Abends. Unter dem Projekt-Titel „Beat of the street“ präsentierte der Schüler seinen individuellen Relax-Sessel aus Altmaterial, aufgemotzt mit Paillettenstoff, Lichterketten, Getränkehalter und Musikanlage.

Nach zwei unterhaltsamen Stunden nahmen die elf Präsentierenden dann nicht nur das positive Gefühl nach getaner Arbeit mit nach Hause, sondern auch einen großen Applaus für einen gelungen Abend.